Blue Flower

Ornithologische Beobachtungen im November 2015

5.11. Gimpel haben sich lange rar gemacht. Endlich fliegen sie wieder ein in kleinen Gruppen. Die leuchtende rote Unterseite des Männchens fällt auf in den kahlen Bäumen. Das Weibchen mit grau-bräunlicher Unterseite ist schwierig zu entdecken. Beide haben eine tiefschwarze Kopfbedeckung. Auffällig und hilfreich beim Suchen ist der laute, weiche Pfeifton.

Der zweite Name Dompfaff ist zwar malerisch, aber im heutigen Sprachgebrauch nicht gerade höflich. Gimpel sind Körnerfresser und gern gesehene Gäste am Futterhaus. Im Frühling fressen sie gerne Knospen, was in Obst- und Beerenkulturen nicht geschätzt wird. Während der Brut- und Aufzuchtszeit sind sie kaum zu finden. Ein Paar baut sein Nest in dichten Nadelbäumen, möglichst weit weg von den Nachbarn. Das Männchen braucht deshalb keinen Reviergesang, um den Nachbarn zu warnen. Sein leises Singen gilt nur seinem Weibchen.

Früher wurden Gimpel leider oft gefangen. Der ruhige und rasch zahme Vogel konnte gut in Käfigen gehalten werden. Das Wort Gimpel hat etwas mit Einfalt zu tun (E. Bezzel). Man konnte dem Männchen jedoch auch Melodien beibringen, die es genau nachpfeifen lernte.

5.11. Eine Rotdrossel macht einen kurzen Halt, um Nahrung aufzunehmen. Im frisch umgegrabenen Ackerstreifen sucht sie nach Würmern. Im besten Sonnenlicht leuchten der weisse Überaugenstreifen und die rostrote Flanke der kleinsten europäischen Drossel, also unverwechselbar. Man sieht sie hier nicht jedes Jahr, und dann eher an Beerensträuchern oder unter Obstbäumen. Die Nahrungssuche findet hauptsächlich am Boden statt. Rotdrosseln brüten in Nordeuropa und fliegen so weit südlich wie notwendig.

11.11. Der Zaunkönig ist in Menschennähe gezogen. In Gärten, an Wasserläufen und Waldrändern hüpft und schlüpft er durch das Dickicht. Hie und da hört man sein lautes, langes, reich gegliedertes Lied. Bei Beunruhigung schimpft er energisch und hart „zeck zeck…“ Der winzige dunkelbraune Vogel mit dem aufgestellten Schwanz ist wenig scheu, aber sehr flink. Es ist erstaunlich, dass der Insektenfresser im Winter genug Nahrung findet. Deshalb bevorzugt er den Wasserrand, der menschlichen Behausungen, wo am ehesten Insekten zu finden sind.

Im Sommer ist er im Auen- und Bergwald anzutreffen. In Baumstrünken, Erdlöchern und unter Wurzelstöcken baut er mehrere kugelförmige Nester mit Seiteneingang. Das Weibchen sucht sich eines aus und polstert es innen mit Federn und Haaren.

20.11. Starke Niederschläge lassen in den Wiesen Pfützen entstehen. Im Burst zwischen Frümsen und Salez entdeckt Heidy Beyeler fünf Silberreiher, die hier ihre Nahrung finden. Es sind stattliche, weisse Reiher, fast in Graureihergrösse. Ihre Erscheinung und eleganten Bewegungen gleichen eher einem riesigen Seidenreiher.

Die Überwinterungsgebiete liegen im Mittelmeerraum und in Afrika, zunehmend auch in Mitteleuropa. In unserer Region gibt es immer wieder Sichtungen von einzelnen Vögeln.

Der anfangs warme November verabschiedet sich nun mit Regen und Schnee.

 

Der Gimpel, mit seinen leicht flötenden Rufen, macht auf sich aufmerksam
Foto von Fredy Buchmann: Der Gimpel, mit seinen leicht flötenden Rufen, macht auf sich aufmerksam